Berichte

Jungpolitikern auf den Zahn gefühlt – ein Dialog über Tierwohl und die Düngeverordnung

Die Rheinische Landjugend (RLJ) lud am 8.Dezember zum agrarpolitischen Dämmerschoppen nach Lohmar ein

 

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Viele junge Landwirte, Studenten und Interessierte machten sich vergangen Donnerstag auf den Weg zum Bauerngut Schiefelbusch der Familie Trimborn um dort mit den Vertretern der Jugendorganisationen der SPD, FDP, CDU und Bündnis 90/Die Grünen über verschiedene agrarpolitische Themen zu debattieren. Zu Beginn der Veranstaltung bekamen die Teilnehmer die Gelegenheit an einer Betriebsbesichtigung unter der Führung von Andreas Trimborn teilzunehmen. Das Bauerngut ist breit aufgestellt und macht sich verschiedene Einkommensquellen zu Nutze. Eine davon ist der Hofladen, in dem zum Teil hofeigene Produkte verkauft werden, dazu zählen unter anderem Kartoffeln, Eier und das Fleisch der Gänse, Rinder, Hühner und Schweine. Außerdem betreibt die Familie ein Gutscafé und vermietet Veranstaltungsräume und Ferienwohnungen. Der Betrieb bietet den Kunden zudem die Möglichkeit das komplette Hofgelände zu erkunden, sodass eine Transparenz zu der landwirtschaftlichen Produktion hergestellt wird. Im Anschluss startete die Diskussion rund um das Thema Tierwohl. Während der Diskussionsrunde kristallisierten sich unter anderem folgende Standpunkte heraus. Matthias Schürmann von den Jungen Liberalen (JuLis, FDP) nahm das von der Bundesregierung geplante staatliche Tierwohllabel kritisch unter die Lupe. Er sieht es als falschen Ansatz, da dadurch zu hohe Mindestanforderungen geschaffen werden, die Deutschland in der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit einschränken könnten. Anderer Meinung war hingegen Michael Röls von der Grünen Jugend (Bündnis 90/Die Grünen). Er fordert eine Erhöhung der Tierwohlstandards und sieht eine Kennzeichnungspflicht von tierischen Produkten als richtigen Weg, um mehr Transparenz gegenüber den Verbrauchern zu schaffen und Tierwohl zu generieren. Philipp Bergen von den Jungsozialisten (JUSOS, SPD) räumte ein, dass es nach wie vor eine Nachfrage nach billigem Fleisch auf dem Markt gibt und dass der Verbraucher mehr in die Verantwortung gezogen werden sollte. Seiner Meinung nach sollte der Staat einen Beitrag dazu leisten das Tierwohl voranzutreiben, da dies seiner Ansicht nach nicht über den Markt geschehen wird. „Der Staat soll sich zurückhalten“ lautete die Forderung von Jonas Gebert von der Jungen Union (JU, CDU). Er sprach sich dafür aus, dass der Markt sich selber regulieren soll. Viel wichtiger sei ein besseres Image der Landwirtschaft. Dabei sieht er gleichermaßen die Landwirte als auch die Politik, als Vermittler zwischen Bevölkerung, Interessensgruppen und Landwirtschaft, in der Verantwortung die Tierwohldebatte in die richtige Richtung zu lenken. Auch die Junglandwirte beteiligten sich rege an der Diskussion. Mehrmals wurde aus dem Publikum darauf hingewiesen, dass Tierwohl nicht an die Anzahl der Tiere im Stall gekoppelt ist, sondern eine Frage des Herdenmanagements sei. Zudem ging aus einigen Wortmeldungen hervor, dass viele Landwirte durchaus bereit sind ihre Produktionsweise zugunsten des Ziels der Nachhaltigkeit zu verändern, wenn dabei die Wirtschaftlichkeit nicht auf der Strecke bleibt. Zu den Sorgen der anwesenden Junglandwirte zählte auch die Novellierung des Düngerechts, die ebenso auf der Tagesordnung stand. Auf der Suche nach praktikablen Lösungen unterbreitete unter anderem Andreas Trimborn den Vorschlag, für eine befristete Zeit von mehreren Jahren den Bau von Vorratsbehältern für organischen Dünger zu fördern und danach die Sperrfristen stark anzuziehen. So hätten die Landwirte genug Zeit sich auf eine Gesetzesänderung umzustellen. Des Weiteren wurde die Möglichkeit der Einführung einer Hoftorbilanz in die Debatte eingebracht. Matthias Schürmann (JuLis) sieht darin eine wenig praktikable Lösung, da vor allem der bürokratische Aufwand immens wäre. Die Sorge um einen erhöhten Aufzeichnungsaufwand teilte auch Jonas Gebert von der Jungen Union, trotzdem sieht er die Hoftorbilanz als einen guten Ansatz um das Verteilungsproblem von organischen Dünger zu lösen. Michael Röls von der Grünen Jugend sprach sich ganz klar für eine Hoftorbilanz aus. In Bezug darauf, dass das Düngegesetz in die Gesetzgebung des Bundes fällt, merkte Philipp Bergen an: „Wenn die Nitratbelastung ein lokales Problem ist, warum soll die Novellierung der Düngeverordnung dann bundesweit geschehen?“. Anna Katharina Blomenkamp