Berichte

 

Die Rheinische Landjugend lud zur Podiumsdiskussion ein

6. März 2017

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„Große Klappe – viel dahinter“ – unter diesem Motto veran-staltete die Rheinische Landjugend (RLJ) diese Woche Montag eine Podiumsdiskussion mit a­grarpolitischen Sprechern der Landtagsparteien auf dem Betrieb der Familie Huber in Düs-seldorf. Norbert Meesters (SPD), Henning Höne (FDP), Norwich Rüße (Grüne), Anja Vorspel (Die Linke) und Hubertus Fehring (CDU) stellten sich den Fragen der Landwirtinnen und Land-wirte. Moritz Kölsch, RLJ-Arbeitskreisleiter für Agrarpolitik, mo-derierte die Veranstaltung und brachte direkt am Anfang ein brisantes Thema auf den Tisch. „Tierwohl ist zurzeit ja in aller Munde. Herr Rüße, vielleicht können Sie uns schildern, wie Sie sich das in Zukunft vorstellen?“ Laut Aussage des Grünen-Politikers gibt es beim Tierwohl einen Wandel, den er positiv sieht. „Ich glaube, wir sehen alle, dass es zu Ver-änderungen kommen muss, und ich erlebe auch oft die Bereit-schaft dazu. Allerdings gibt es auch oft große Verunsiche-rung.“ Die sei auch verständlich, da man sich endlich der Frage stellen müsse, was überhaupt zukunftsfähig sei. Mees-ters nutzte die Gelegenheit, die Wichtigkeit von Familienbe-trieben zu betonen. „Familienbetriebe sind die besten Part-ner in der Branche, die Produktion unserer Lebensmittel kann und sollte von ihnen durchgeführt werden.“ Er vermisse al-lerdings manchmal die Bereitschaft zum Dialog und dass sich die Landwirtschaft auf etwas einlasse. Wille der Gesellschaft Dass die Struktur der Betriebe so bleibt wie jetzt, gleich-zeitig aber immer höhere Ansprüche erhoben werden, kam bei Höne nicht gut an. „Ich tue mich außerdem damit schwer, 1 : 1 zu übernehmen, was andere Leute als das definieren, was die Gesellschaft möchte. Das scheint zumindest nicht mit der Bereitschaft verknüpft zu sein, mehr zu zahlen.“ Sein „from-mer Wunsch“ sei es, dass die Politik wieder für mehr Wert-schätzung der Lebensmittel werbe. Die Hendricks-Kampagne zum Beispiel bewirke aber das genaue Gegenteil. „Ich glaube nicht, dass es dabei um die Anregung einer Diskussion mit der Gesellschaft ging.“ Chemie-Milch Anja Vorspel, die die Linke vertrat, betonte, dass Landwirte nicht genug verdienen. „Wir produzieren außerdem dreimal so viel Lebensmittel, wie wir eigentlich brauchen und trotzdem verhungern Menschen.“ Mit einer unbedachten Aussage brachte sie die Landwirte allerdings gegen sich auf. Es sei schließ-lich nicht ganz fair, dass Bio-Milch den Zusatz „Bio“ trägt, denn dann müsse die restliche Milch ja Chemie-Milch heißen. Ein Wort, bei dem sicherlich so manchem Landwirt der Kragen platzen könnte, auch wenn es vielleicht missverstanden wur-de. „Die Linken werden versuchen, alles dafür zu tun, dass Sie überleben können.“ Fehring stellte klar, dass es grausam und unnötig sei, einen Unterschied zwischen konventionell und biologisch erzeugter Milch zu machen. Die Frage nach der Verteilung von erster und zweiter Säule brachte ein neues Themen-Schwergewicht zur Sprache. Hubertus Fehring, selbst Landwirt, bezeichnete die Zahlungen als „schönes Zubrot“. „Das Geld geht aber direkt an den Verpäch-ter weiter“, kritisierte er. Sollten die Zahlungen wegfal-len, dürfe es auch keine Gängelung mehr geben. Rüße hingegen ist sich sicher, dass die Auszahlung der Gelder in Zukunft nicht mehr von der Fläche abhängig gemacht werden sollte, sondern als Ausgleich für ökologische Auflagen. Stark diskutiert wurde das Thema Flächenverbrauch. Landwirte berichteten über die Entstehung neuer Gewerbegebiete auf ehemaligen Äckern oder die ständigen Neubauten von Super-märkten und Zerstückelung von Schlägen. Kiebitzfreundlich sei das schließlich auch nicht, oder? Auch die Politiker wa-ren sich einig, dass dies ein Problem sei. Bleibt abzuwar-ten, wie das nach dem Wahlkampf angegangen wird.

Marilena Kipp

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